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Vor 80 Jahren: Hilding Hjelmberg baut die Schwedenspeisung für Gelsenkirchener Schulkinder auf

Der Winter 1946/47 sollte einer der härtesten seit Jahrzehnten werden. Die meisten Menschen in Gelsenkirchen hatten der Eiseskälte, die bis in die Knochen drang, kaum was entgegenzusetzen. Viele lebten eng zusammengedrängt in Notunterkünften, improvisierten Wohnungen und mit geringster Möblierung. Oft hatten sie weder Elektrizität noch Kohle. Die Menschen froren – und sie hungerten. Die Lebensmittelkarten deckten nur einen Teil des wirklichen Bedarfs ab. Durch Tauschgeschäfte und Hamsterfahrten versuchten viele, die direkte Not zu lindern.

Besonders betroffen von der Knappheit waren die etwa 60.000 Kinder in Gelsenkirchen. Sie litten unter der extremen Mangelernährung noch einmal mehr, da sie im Wachstum waren. Die Essensrationen der Schulspeisung, die von der Britischen Besatzungsmacht angeboten wurden, reichten für die jungen Menschen einfach nicht aus. Dazu kam, dass viele Kinder und Jugendliche unzureichendes Schuhwerk und verschlissene Bekleidung trugen, beides konnte im kalten Winter lebensgefährlich werden. Viele Kinder starben an schweren Infektionserkrankungen oder an Unterernährung. Die notdürftige Unterkunft tat das ihrige dazu.

Notunterkunft einer Gelsenkirchener Familie. Bilddokumentation von Dr. Alfred Ledermann, 1946 | Foto: StadtA Ge

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Sammlung „Wollenweber“

Unerforschter Briefwechsel aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs

Beitrag von Daniela Mysliwietz-Fleiß

„‚Klärchen‘ und ‚Heini‘ – eine Liebesgeschichte mitten im Krieg“ – „Heinrich, der Luftwaffensoldat und Anhänger des Nationalsozialismus und sein Leben während des Krieges“ – „Das Leben in Gelsenkirchen im Zweiten Weltkrieg“

Zu allen diesen Themen mag der Bestand „Wollenweber“ Auskunft geben, der jüngst aus privater Hand ins ISG abgegeben und vorerst oberflächlich erschlossen wurde. Fast 400 handschriftliche Briefe von Klara, geborene Kempener (Jg. 1912) und Heinrich (Jg. 1908) Wollenweber aus den Jahren 1933 bis 1944 sind in dem Bestand enthalten.

Briefe von “Heini” und “Klärchen” aus der Sammlung S 111 Wollenweber.

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Die Frau, die „Buronia“ ins Leben half

Sie muss ein echtes Original gewesen sein, sprach fließend Plattdeutsch, hatte einen ausgeprägten Sinn für Humor und half in Buer-Hassel zwischen 1910 und 1953 über 4.000 Kindern auf die Welt. Die Rede ist von Hebamme Anna Clasen, geb. Flöhr, verwitwete Laufenberg, deren Wirken nun in einer kleinen Sammlung, die dem ISG aus privater Hand übergeben wurde, dokumentiert ist.

Ausschnitte aus der Sammlung 102
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Die Textilgeschäfte der verzweigten Familie Voorgang

Archivgut privater Herkunft birgt oft spannende Informationen, die einen Teil einer Familiengeschichte beleuchten und nicht immer leicht zu vervollständigen sind – so auch in diesem Fall.

Im Oktober 1952 feierte das Ehepaar Hermann und Charlotte Voorgang an der Weberstraße 32 seine diamantene Hochzeit. Die Presse berichtete: 1888 lernten sich die beiden in seinem Textilgeschäft am Neumarkt kennen und führten zusammen diese und weitere Filialen über Jahrzehnte hinweg; die Liebe habe sie in „schweren und glücklichen Zeiten begleitet“.

Briefkopf des Geschäfts Hermann Voorgang an der Bahnhofstraße 15, 1904 (Na 104, 32)
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… ein ehrlicher Fanatiker …

Der Volksschullehrer Tillmann Blum

Kulturkampf nach der „Staatsumwälzung“, ein Berufsverbot 1927 und die Spätfolgen

Gastbeitrag: Norbert Reichling

Es gab da einen Volksschullehrer in Rotthausen, musisch interessiert, u. a. an Arbeitersprechchören, über den ich ein bisschen mehr wissen wollte – er war nämlich in den frühen 1920er Jahren an der Gründungsphase eines interessanten politischen Projekts – des „Bund. Gemeinschaft für sozialistisches Leben“ – beteiligt. Was lag da näher als ein Gang ins Stadtarchiv Gelsenkirchen? Wo sich aus den Personalakten eine nahezu krimireife Geschichte über Kulturkämpfe der 1920er Jahre und Überlebenstaktiken der 1930er-Jahre erschloss…

Quelle: Bund-Archiv im Dore Jacobs-Haus, Essen

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Podcast: 29 Orte gegen das Vergessen

Die Journalistin Nina Höhne und die Erziehungswissenschaftlerin Pauline van Moll haben alle 29 NS-Gedenkstätten in Nordrhein-Westfalen besucht. Darüber berichten sie in ihrem Gedenkstätten-Podcast „29 Orte gegen das Vergessen“: Was ist übrig geblieben von Deutschlands NS-Vergangenheit? Was zeigen die verschiedenen Ausstellungen und wo sehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen die Schwerpunkte ihrer Arbeit?

Dokumentationsstätte “Gelsenkirchen im Nationalsozialismus” Cranger Str. 323. Foto: ISG

In Folge 23 geht es um die Dokumentationsstätte „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“. Das Projekt wurde beauftragt vom Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und –Erinnerungsorte NRW e.V. und gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung NRW. Podcast überall wo es Podcasts gibt. Direkt zur Folge 23 geht’s hier.

Die Grabplatte auf dem Gelsenkirchener Westfriedhof

Über das Projekt „Laufend erinnern“

Welche Geschichten verbergen sich hinter den vierzehn Namen, die auf einer Grabplatte auf dem Westfriedhof in Gelsenkirchen-Heßler angebracht sind? Wer waren die Menschen und was ist mit ihnen geschehen? Wie sind die vom NS-Staat Verfolgten schließlich auf dem Westfriedhof gelangt? Diesen Fragen ging die Arbeitsgruppe „Laufend erinnern“ der Schalker Fan-Initiative zusammen mit dem ISG im Rahmen eines bürgerwissenschaftlichen Projektes nach.

Erinnerung und Gedenken an die „Opfer der NS-Gewaltherrschaft“ am 10. September 2022
Foto: ISG

Zu Beginn war nur bekannt, dass auf dem Gräberfeld 15, wie die Friedhofsverwaltung den Ort bezeichnet, „Opfer der NS-Gewaltherrschaft“ bestattet wurden. Es ist eines von fünf Kriegsgräberstätten auf dem Westfriedhof.
Bei der Recherche im Stadtarchiv Gelsenkirchen fanden die Mitglieder von „Laufend erinnern“ heraus, dass diese Grabstätte heute ausschließlich Urnen beherbergt. Sie waren aus Lagern oder Tötungsanstalten nach Gelsenkirchen (zurück) geschickt worden. Im digitalen Archiv von Arolsen Archives (https://collections.arolsen-archives.org/de/search) spürten die Forscherinnen und Forscher Dokumente aus den Konzentrationslagern auf. Auch vom Bundesarchiv erhielten sie Unterlagen. Die Arbeit mit Archivdokumenten und Fachliteratur verbreiterte das Wissen der AG-Mitglieder. Sie entdeckten weitere NS-Opfer auf dem Westfriedhof und recherchierten auch über deren Schicksal. Inzwischen kann die AG in unterschiedlicher Ausführlichkeit über die Biographien von 18 Menschen berichten.

Die Geschichten der NS-Opfer erzählen von unterschiedlichen Verfolgungsgründen. Viele kamen aus fadenscheinigen Gründen, meist verbunden mit dem Vorwurf der „Arbeitsverweigerung“ oder mit der Bezeichnung „Asozial“ ins Konzentrationslager. Sie starben an den Lebensbedingungen, der schweren Arbeit im Lager oder an Erschöpfung. Einige wurden aber auch gezielt ermordet. Einige der Opfer wurden von der NS-Verwaltung aufgrund einer psychischen Behinderung unter die Kategorie „unheilbar“ gestellt. Sie waren in einer Heilanstalt, dort wurden sie als „unwert“ aussortiert und später ermordet. Andere hatten sich politisch engagiert und waren gegen das NS-Regime eingestellt. Sie wurden ins Gefängnis und später ins Konzentrationslager gebracht; drei wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Friedhöfe sind mehr als ein Ort der Trauer und der Erinnerung. Die auf die Ewigkeit ausgerichteten Kriegsgräber sollen angesichts der gewaltsam zu Tode gekommenen Menschen eine Mahnung an die spätere Generation weitergeben. Sie sollen die Erinnerung wachhalten, „welche schrecklichen Folgen Krieg und Gewaltherrschaft haben“, so formulierte es das Kriegsgräbergesetz vor etwa 70 Jahren.

Mit dem Projekt „Laufend erinnern“ möchte die AG „Laufend erinnern“ dazu beitragen, dass die Menschen und Schicksale, die hinter den Namen auf dieser Grabplatte stehen, nicht vergessen werden. Wir laden Sie ein, die unterschiedlichen Personen und deren Lebensgeschichten hier auf dem Blog näher kennenzulernen. Im Februar 2023 erscheint eine Publikation, die sich den Biografien der NS-Opfer auf dem Westfriedhof ausführlicher widmet.

Wir erinnern an:

Paul Aust (1892 – 1941)

Ewald Paul Aust wurde 48 Jahre alt.

Er wurde am 12. August 1892 in Gelsenkirchen geboren und lebte in einem katholischen Elternhaus mit zwei Brüdern und einer Schwester in seiner Geburtsstadt, genauer in der Vereinsstraße 37. Nach dem Abschluss der Schule lernte er den Beruf des Handelsvertreters. Im Sommer 1914 wurde Paul Aust zum Kriegsdienst einberufen, er kehrte erst 1918 aus britischer Kriegsgefangenschaft nach Gelsenkirchen zurück. Nach Aussage seines Bruders kam er „krank“ heim – es bleibt unklar, ob psychisch oder physisch versehrt. In der Zwischenzeit waren seine Eltern Luise und Franz verstorben, während seine Schwester Maria mit Mann und Sohn Hermann den Haushalt übernommen hatte. Dort zog Paul Aust wieder ein. In den 1930er Jahren war er als Lagerist tätig, blieb ledig und geriet einmal mit dem Gesetzt in Konflikt: Wegen „Hausfriedensbruchs“ wurde er zu 4 Wochen Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

Liste der Besitztümer von Paul Aust bei der Ankunft im Konzentrationslager Buchenwald, 23. Mai 1938
Quelle: [Akte von Aust, Paul/Inhaftierungsdokumente/Lager und Ghettos/Konzentrationslager Buchenwald/5452893/ITS Digital Archive, Arolsen Archives] 
Doc-ID: https://collections.arolsen-archives.org/de/document/5452893
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Friedrich Weiss (1895 – 1941)

Friedrich Weiss wurde 45 Jahre alt.

Er kam am 7. Mai 1895 in Klein-Zünder zur Welt, einer Landgemeinde im Bezirk Danzig. Er war Bergmann und lebte laut Meldekarte seit 1922 in Gelsenkirchen. Vermutlich war er mit seiner Frau Rosalie geborene Grabowski wegen des Bergbaus aus Gottswalde bei Danzig hierhergekommen. Die beiden hatten vier Kinder: Elli und Charlotte, Willi und Alfred. Eines der Kinder starb 1925, die Meldekarte gibt leider unterschiedliche Namen an.

Sterbeurkunde von Friedrich Weiss,
Wewelsburg, 13. April 1941
Quelle: [Akte von Weiss, Friedrich/Inhaftierungsdokumente/Lager und Ghettos/Konzentrationslager Niederhagen (Wewelsburg)/3677376/ITS Digital Archive, Arolsen Archives]
Doc-ID: https://collections.arolsen-archives.org/de/document/3677376
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Wilhelm Bonsen (1902 – 1941)

Wilhelm Anton Bonsen wurde 39 Jahre alt.

Er wurde am 28. Januar 1902, in Ueckendorf geboren, das bereits ein Jahr später in die entstehende Großstadt Gelsenkirchen integriert wurde. Der Sohn von Maria und Josef Bonsen hatte insgesamt sieben Geschwister. Das Elternhaus war katholisch. Er erlernte in Gelsenkirchen den Beruf des Bergmanns, wie auch sein Vater.

Sterbeurkunde von Wilhelm Anton Bonsen, Oranienburg, 6. Juni 1941
Quelle: [Teil 17: Ordner 00002413/Inhaftierungsdokumente/Lager und Ghettos/Konzentrationslager Sachsenhausen/4130428/ITS Digital Archive, Arolsen Archives]
Doc-ID: https://collections.arolsen-archives.org/de/document/4130428
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