Digital resources in the Social Sciences and Humanities OpenEdition Our platforms OpenEdition Books OpenEdition Journals Hypotheses Calenda Libraries OpenEdition Freemium Follow us

Jan Seredzinski (1891 – 1941)

Im Konzentrationslager Buchenwald war er unter dem Name Johann Serdynski registriert. Welchen Namen er selbst benutzte, ist angesichts der verschiedenen Unterlagen und unterschiedlichsten Schreibweisen nicht mehr nachzuvollziehen.

Jan Serdynski wurde 50 Jahre alt.

Er kam am 4. April 1891 in Radokowa/Raków, Sambor, in Galizien zur Welt. Als er geboren wurde, gehörte die Region zu Österreich-Ungarn, später war sie Teil von Polen. Die heutige Stadt Sambir gehört nach einer wechselvollen Geschichte seit 1991 zur Ukraine. Sie liegt circa 74 km südwestlich der Stadt Lwiw (damals Lemberg) und ist östlich 40 km von der polnischen Grenze entfernt.

Nach dem Tod von Jan Serdynski „verwaltete“ das KZ-Buchenwald den „Nachlass“, 26. Januar 1942
Quelle: [Akte von Serdynski, Jan/Inhaftierungsdokumente/Lager und Ghettos/Konzentrationslager Buchenwald/7095028/ITS Digital Archive, Arolsen Archives]
Doc-ID: https://collections.arolsen-archives.org/de/document/7095028
„Jan Seredzinski (1891 – 1941)“ weiterlesen

Franz Kalinowski (1903 – 1942)

Franz Kalinowski wurde 39 Jahre alt.

Er kam am 5. Juni 1903 in Kulm, Westpreußen zur Welt. Die Stadt gehört heute zu Polen, ihr Name ist Chełmno. Familie Kalinowski war katholisch, der Vater arbeitete als Bergmann. Aus diesem Grund war sie vermutlich auch nach Gelsenkirchen gekommen. Im Jahr 1918, im Alter von 15 Jahren, ging Franz Kalinowski für drei Monate nach Mainz, mit 18 Jahren war er für zwei Monate in Hamburg. Vielleicht verdingte er sich dort als Arbeiter? Diese Informationen stammen von der Gelsenkirchener Meldekarte. Darauf ist auch zu sehen, dass Franz Kalinowski als Beruf „Arbeiter-Bergmann“ angegeben hatte.

Meldekarte von Franz Kalinowski
Quelle: ISG, StadtA Ge, Meldekartei aus Gelsenkirchen 1931-1945.
„Franz Kalinowski (1903 – 1942)“ weiterlesen

Karl Schilke ­(1884 – 1942)

Karl Schilke wurde 58 Jahre alt.

Er kam am 2. Februar 1884 in Sendzi, Kreis Samter in der preußischen Provinz Posen zur Welt. Während des Zweiten Weltkriegs gehörte die Region zum Wartheland, heute ist sie ein Teil Polens und heißt Szamotuły.

Karl Schilke war von Beruf Schmied und wie seine Frau Maria geborene Duschynski evangelisch. Sie lebten seit 1913 in Gelsenkirchen. Ihre fünf Kinder, drei Söhne und zwei Töchter, kamen im regelmäßigen Abstand von etwa 2 Jahren hier zur Welt. 1917 starb mit vier Jahren der älteste Sohn Johann, im Dezember 1923 wurde das jüngste Kind Friedrich geboren.

Die Grabplatte von „Gräberfeld 15“ auf dem Westfriedhof
Foto: ISG
„Karl Schilke ­(1884 – 1942)“ weiterlesen

Heinrich van Eck (1903 – 1942)

Heinrich van Eck wurde 38 Jahre alt.

Sehr wenig ist über sein Schicksal bekannt. Am 5. Oktober 1903 wurde er in Essen-Katernberg geboren. Er war katholisch. Seine Mutter Gertrud van Eck geborene Waldus kam aus Wattenscheid. Sie arbeitete als Dienstmädchen, die häufigen Adresswechsel auf der Meldekarte bezeugen dies eindrücklich. Ein Jahr nach der Geburt von Heinrich bekam Gertrud van Eck noch eine Tochter. Beide brachte sie möglicherweise zu ihren Eltern. Über den Vater Johann van Eck konnten keine weiteren Informationen eingeholt werden, möglicherweise lebte er in den Niederlanden, wie auf der Meldekarte notiert wurde. Vielleicht starb er dort? Auf Heinrich van Ecks Meldekarte steht, er sei 1904 nach Eickel, in die Koloniestraße 19a gezogen. Auch wird erwähnt, dass er bei „Löbbert“ wohne, das könnte auch auf eine Pflegefamilie für den damals einjährigen Jungen hinweisen.

Die Grabplatte von „Gräberfeld 15“ auf dem Westfriedhof
Foto: ISG
„Heinrich van Eck (1903 – 1942)“ weiterlesen

Josef Miecznikowski (1923 – 1944)

Josef Miecznikowski wurde 20 Jahre alt.

Josef Miecznikowski wurde am 14. April 1923 in Bochum geboren und römisch-katholisch getauft. Er wohnte bei seiner Mutter Julie und seinem Stiefvater Josef Jakubowski in der Gelsenkirchener Herzstraße und erlernte den Beruf des Tiefbauarbeiters. Nach späterer Aussage seiner Mutter war er in seiner geistigen Entwicklung beeinträchtigt, möglicherweise verhaltensauffällig.

Brief der Mutter an die Lagerverwaltung des Konzentrationslagers Weimar-Buchenwald, 19. April 1944
Quelle: [Akte von Mieznikowski, Josef/Inhaftierungsdokumente/Lager und Ghettos/Konzentrationslager Buchenwald 6629430/ITS Digital Archive, Arolsen Archives]
DocID: https://collections.arolsen-archives.org/de/document/6629430
„Josef Miecznikowski (1923 – 1944)“ weiterlesen

August Engler (1886 – 1938)

August Engler wurde 51 Jahre alt.

Er wurde 21. August 1886 im schlesischen Sagon, Kreis Johannisburg, geboren und lebte seit 1904 in Gelsenkirchen. Wie aus Dokumenten zu erfahren ist, war er Sozialdemokrat und Gewerkschafter, darüber hinaus vor 1933 Kassierer des Bergarbeiterverbandes, Zugführer des Gelsenkirchener Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold und im atheistischen Freidenkerverband. Mit seiner Frau Auguste hatte er zwei Töchter, Anna und Emma. Emma starb bald nach der Geburt. August Engler war Bergmann und am Tage seiner Inhaftierung arbeitslos.

Der Grabstein von August Engler im Gräberfeld der zivilen Bombenopfer, Januar 2023
Foto: ISG
„August Engler (1886 – 1938)“ weiterlesen

Leo Marek (1907 – 1944). Hermann Frost (1881 – 1944). Emil Rattay (1905 – 1944)  

Leo Marek wurde 36 Jahre alt, Hermann Frost 62 Jahre und Emil Rattay 38 Jahre alt.

Über die drei Männer ist nur wenig bekannt: Sie waren Bergleute, lebten mit ihren Familien in Gelsenkirchen, und sie kannten sich. Frost und Rattay arbeiteten auf der Zeche Wilhelmine Victoria. Alle drei waren wohl über ihre politische Einstellung verbunden. Im August 1943 wurden die drei Männer festgenommen und am 31. März 1944, gemeinsam mit Emil Rattays Ehefrau Tina sowie den kommunistischen Aktivistinnen und Aktivisten Heinrich Holtgreve, Hermann Mumm, Hermann Porsch, Erna Possner und ihr Mann Gerhard, Fritz Struckmeier und Fritz Symanski, vom Oberreichsanwalt beim Volksgericht in Berlin angeklagt. Sie wurden laut Anklageschrift beschuldigt, „den kommunistischen Agenten Franz Zielasko“ unterstützt zu haben, der als „sowjetischer Agent“ ins Ruhrgebiet gekommen sei, „um eine illegale KPD im Ruhrgebiet aufzubauen und durch sonstige Mittel die Stimmung der Bevölkerung zu untergraben“.

Der Grabstein von Leo Marek im Gräberfeld der zivilen Bombenopfer, Januar 2023
Foto: ISG
„Leo Marek (1907 – 1944). Hermann Frost (1881 – 1944). Emil Rattay (1905 – 1944)  “ weiterlesen

Podcast „Laufend erinnern“ – # 8

Endlich GEmeinsam laufend erinnern! Das erste Treffen seit langem genießen die Mitglieder von “Laufend erinnern” bei der Folge 8 der Podcast-Reihe sehr. Denn – Videokonferenzen hin oder her – nichts geht über einen spontanen Gedankenaustausch mit Blick in die Runde.

Wir tauschen Erfahrungen aus und resümieren unsere Erkenntnisse. Und wir sprechen über die NS-Opfer, über die wir nicht so viel herausfinden konnten: Friedrich Weiss, Wilhelm Anton Bonsen, Maria Silla, Maria-Anna Wollschläger, August Schwieder (ihr tatsächlicher Nachname ist Schneider), Emil Duscha, Jan Seredzinski, Franz Kalinowski, Karl Schilke, Heinrich van Eck, Josef Mieczinkowski. Für eine einzelne Podcast-Folge zu den Genannten hätte unser Material leider nicht gereicht. Aber auch an sie wollen wir uns erinnern.

Das gemeinsame Gedenken hat die AG “Laufend erinnern” am 8. Mai 2022 fortgesetzt und Blumen auf den Westfriedhof gebracht und auf der Grabplatte und auf Grabsteinen niedergelegt.

Die Grabplatte auf dem Westfriedhof
Foto: Schalker Fan-Initiative e.V., 8. Mai 2022

Die AG spricht mit der Folge #8 übrigens zum vorläufig letzten Mal über ihre Forschungsergebnisse. Nun beginnt die Arbeit an der Broschüre. Wir halten euch bzw. Sie auf dem Laufenden, denn wie heißt es so schön: Laufend erinnern!

Hier geht es zur Folge #8

Podcast „Laufend erinnern“ – # 7

August Engler steht im Zentrum der siebten Ausgabe unseres Podcasts. David und Holger haben sich auf die Spuren eines politisch aktiven Bergmannes gegeben, der wegen einer Aktion vor dem Gelsenkirchener Arbeitsamt verhaftet wurde. Das Gespräch zeichnet seinen Weg von dort in das KZ Buchenwald, wo er auch verstarb, bis zur Bestattung in der Heimat nach. Die Recherche hat viel in Erfahrung gebracht, vor allem dank der Briefe aus Buchenwald von August Engler – und noch viele Fragen. Die Spurensuche hat, wie so viele, ein vorläufiges Ende; vielleicht lassen sich weitere Quellen finden.

Zur Vertiefung empfehlen wir die Website

Hier geht’s zur Folge #7

Podcast „Laufend erinnern“ – #6

Verfasst von: AG “Laufend erinnern”

In der sechsten Ausgabe folgen Susanne und Fabian den Spuren von Hermann Frost, Leo Marek und Emil Rattay. Drei Männer, die in der gleichen Anklageschrift der Unterstützung eines „hochverräterischen Unternehmens“ bezichtigt, 440 Tage in verschiedenen Gefängnissen festgehalten, ermordet und am gleichen Tag in Gelsenkirchen bestattet wurden. Wir möchten an sie und die vielen Anderen erinnern, die von den Nazis wegen ihrer politischen Überzeugungen und Handlungen angeklagt, gefoltert, und hingerichtet wurden.

Hier gehts zum Podcast

Wir freuen uns sehr über alle Hörerinnen und Hörer. Der Podcast kann bei diesen Anbietern abonniert werden: Apple Podcast, Google, Spotify, Amazon Music,Android und Deezer.

Wer Fragen hat oder Interesse, in der AG mitzuarbeiten, sendet bitte eine Mail an susanne@fan-ini.de